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Hintergrund der Initiative

Hintergrund für diese Initiative

Wir sind nicht an den frischen Gräbern in der Ukraine, im Iran, im Gaza-Streifen, im Sudan, in Russland.
Wir sind hier, in Deutschland, relativ frei und geschützt.
Und wir sind verbunden, weil wir die Verletzlichkeit unseres Menschseins mitempfinden können, auch durch das Wissen um die Vergangenheit.

Ich lade dazu ein, in Stille dieser Verbundenheit und dem tiefen Wissen um die NOT-wendigkeit von Frieden Ausdruck zu geben.
Nähere Informationen zur Teilnahme und einiges zum Hintergrund finden Sie auf dieser Homepage.
Die Homepage ist unvollständig und wird sich vermutlich in den kommenden Wochen immer wieder verändern.

Warum Friedhöfe?

Meine Mutter ist im letzten Jahr im Alter von 95 Jahren verstorben. Sie hat den Beginn des Ukraine-Kriegs erlebt und in ihren letzten Lebenstagen mehrmals zu mir gesagt: Ich hoffe, dass ihr keinen Krieg erleben müsst. Sie wusste, dass es in weiter entfernten Teilen der Welt Kriege gibt. Drei Brüder meiner Mutter liegen in Kriegsgräbern am Futa Pass in Italien, in der Nähe von Cherbourg in Frankreich, in Gangelt-Schierwaldenrath an der holländischen Grenze. Sie starben im 2. Weltkrieg, sie hießen Karl, Willi und Leo, sie wurden 17, 20 und 21 Jahre alt.

Jean-Claude Junker, der ehemalige Präsident der EU-Kommission, erzählte vor ein paar Wochen in einem Interview mit dem Deutschlandfunk, dass er im Urlaub oft auf den Friedhöfe zu den Kriegsgräbern geht und die Namen und die Geburtsdaten liest.

Der Friedhof hat das Wort Frieden im Namen. Friedhöfe sind oft schöne Orte, stille Orte, naturnahe Orte, öffentliche Orte. Ich mag Friedhöfe. Kriegsgräber machen mich traurig, aber Friedhöfe nicht. Ich fühle mich verbunden mit der Geschichte der vor mir Lebenden, ich bin dankbar für mein Leben und weiß, dass ich sterblich bin, ich hoffe, dass wir Menschen es bald geregelt bekommen, unsere Kraft und die Ressourcen der Natur für das Leben einzusetzen und nicht für unsinniges Töten, vor allem der Ärmsten.

Es ist für mich so, als ob FRIEDhöfe mir das sagen würden.

Warum Stille in Gemeinsamkeit?

Weil Stille Schutz und Kraft gibt. Weil stille Gespräche etwas anderes sind als Parolen. Weil ich andere leise fragen will, warum sie gekommen sind, was ihre Erfahrungen mit Gewalt und Krieg sind, was ihre Meinung ist, was ihre aktuellen Ängste sind. Weil ich der Überzeugung bin, dass wir Menschen mit unserer Verletzlichkeit am besten zunächst still umgehen und gemeinsam nach Lösungen suchen.

Warum keine politischen Forderungen?

Aus einem einfachen Grund: ich weiß keine Lösung, ich bin kein Friedensforscher, kein Militärstratege, kein politischer Entscheidungsträger, kein Verteidigungsminister, keine Außenministerin.
Was ich mir wünsche, ist, dass wir uns wieder und wieder darauf besinnen: Frieden ist schwierig und Frieden ist so NOT-wendig – aus sozialen, ökologischen, seelischen Gründen und wegen der Menschen, vor allem junger und ärmerer Menschen, die ihre Gesundheit und ihr Leben lassen.

Warum keine gesprochenen Gebete?

Albert Schweizer hat gesagt: „Gebete verändern die Welt nicht. Aber Gebete verändern die Menschen. Und die Menschen verändern die Welt.“ Das halte ich für richtig, aber Bilder und Vorstellungen von Gott und selbst Namen für Gott gibt es viele. Auch wird „Gott“ für Machtzwecke, für unsinnige Begründungen, für Kontrolle instrumentalisiert und der Begriff missbraucht.

In dieser halben Stunde soll es nicht um Worte gehen, obwohl sie vermutlich jedem einzelnen durch den Kopf gehen – in welcher Form auch immer. Es soll um Anwesenheit gehen.


1. Von der Sprachlosigkeit zum Dialog

Wie soll es jemals eine Lösung geben, wie soll Frieden werden, wie soll Frieden werden im Nahen Osten, wie soll Frieden werden in der Ukraine? Jedenfalls nicht mit einfachen Antworten. Jedenfalls auch nicht ohne die einfachen Worte. Es geht nicht ohne das Gespräch. Darauf haben all diejenigen beharrt, die festgehalten haben am Dialog, da, wo er kaum mehr möglich scheint: Das sind die Vereine, die ihre Städtepartnerschaften mit Russland weiterführen. Das sind Schriftsteller aus verfeindeten Völkern, die sich schreiben, wie einst Romain Rolland und Stefan Zweig im Ersten Weltkrieg. Das sind israelisch-palästinensische Friedensprojekte, die weitermachen mit ihrer Arbeit.

Exemplarisch für diesen befriedenden Dialog ist die Korrespondenz zwischen dem Orientalisten und muslimischen Deutsch-Iraner Navid Kermani und dem Soziologen und jüdischen Israeli Natan Sznaider. In ihrem Büchlein, das sie im Oktober 2023 gemeinsam veröffentlichen, stellen sie fest:

»Wir erinnerten uns an die wirklichkeitsschaffende Kraft der Gewalt, die nur noch Schmerz und Trauer hinterlässt, aber auch daran – und das war das Wichtigste vielleicht für uns [...] –, dass man selbst in der Sprachlosigkeit noch sprechen kann, und sei es ohne Worte. Sei es nur, dass man den anderen atmen hört.«

Wann wird aus dem Atmen ein Aufatmen?

Aus: Heribert Prantl, Den Frieden gewinnen, Wilhelm Heyne Verlag München, 2024; S. 16


2. Kritik der Aufrüstung & ein Ja zum Leben

  • Man darf eine Aufrüstung, die Spannungen und Unsicherheit schürt, Investitionen in Bildung und Gesundheit schmälert, das Vertrauen in die Diplomatie untergräbt und Eliten bereichert, denen das Gemeinwohl gleichgültig ist, nicht als „Verteidigung“ bezeichnen.
  • Zudem muss die Entwicklung und der Einsatz künstlicher Intelligenz im militärischen und zivilen Bereich überwacht werden, damit sie menschliche Entscheidungen nicht entmündigt und die Tragödie von Konflikten nicht verschärft.
  • Was derzeit in der Ukraine, im Gazastreifen und in den palästinensischen Gebieten, im Libanon und im Iran geschieht, verdeutlicht die unmenschliche Entwicklung der Beziehung zwischen Krieg und neuen Technologien in einer Spirale der Vernichtung.

Studien, Forschung und Investitionen müssen in die entgegengesetzte Richtung gehen: Sie müssen ein radikales „Ja“ zum Leben sein! Ja zum unschuldigen Leben, ja zum jungen Leben, ja zum Leben der Völker, die nach Frieden und Gerechtigkeit rufen!

Aus einer Ansprache von Papst LEO XIV. an der römischen SAPIENZA-Universität;


3. Verletzlichkeit und Verantwortung

Was uns alle verbindet, ist unsere Verletzlichkeit. Menschsein heißt Verletzlichsein. Aber wir sind eben nicht nur im Schmerz vereint, wir sind auch in der Liebe vereint. Im Interesse aneinander, in Empathie und Anteilnahme. Wir alle sind dadurch alle. Wir alle sind viele. Wir alle sind alle Geschlechter, alle races, alle Klassen, alle Kasten, wir alle sind ganz unreligiös das Wunder der Schöpfung, und als solches sollten wir zwischendurch ab und zu innehalten und den Schauer der Ehrfurcht vor unserer komplexen Existenz verspüren.

… Wir sind die Schöpfung und wir sind das Leben, und deshalb besteht hierhin unsere verdammte Schuld und unsere Verantwortung der Liebe gegenüber.

Zitiert nach: Mithu Sanyal, Identitti, btb Verlag, München, 2023; S.418

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